"Der englische Ethnologe Nigel Barley vergleicht das Ergebnis der Enkulturation , die eigene Kulturhaftigkeit, mit unseren Füßen:
„Wir sehen sie nicht, weil sie genau unter unsern Bierbauch sind und wir gewohnt sind, die Welt ohne sie zu betrachten. Wenn wir sie überhaupt wahrnehmen, sehen wir sie als Teil der Welt.
Die Kultur der anderen indes ist, wie die Füße unter ihren Bierbäuchen, offenkundig und bietet sich für unvoreingenommene und langwierige Forschungen und Vergleiche an.“
– Nigel Barley – wikipedia [1]

Die Voraussetzungen, um uns kulturell von den einseitigen "Selbstbildern" einer "Risikogesellschaft" lösen zu können und in ein kollektives Bewusstsein einer "Resilienzgesellschaft" zu wechseln, liegen vor allem in den Sozialisationserfahrungen, welche wir unseren Jugendlichen in der Schule, bezogen auf die politischen Ebenen, einräumen (oder nicht).

Unter den ("real existierenden") politischen Handlungsprämissen des "Stress-Modus" - also, "des Fahrens auf Sicht" - lassen wir Probleme oft so lange auflaufen, bis sie als "Skandal" von der "Öffentlichkeit" wahrgenommen werden (können). Am Ende sind die Probleme dann meist zu groß und kompliziert, um noch "nachhaltig" gelöst werden zu können, sodass dann nur noch "dringend notwendige Maßnahmen" als "Lösung" in Betracht kommen, welche mit einem allarmistischen PR-Relevanzstatus belegt werden, um eine "alternativlose Mobilmachung" von oben legitimieren, und nach unten durchdrücken zu können.

Durch eine "AGIL-Machung", im "Kultur-Modus", also einer frühzeitigen Wahrnehmung von Problemen und ausreichenden Zeit- und Handlungsspielräumen, könnte sich unsere "Risikogesellschaft", nach und nach, zu einer "Resilienzgesellschaft" transformieren.

Der Weg aus der "Risikogesellschaft" in eine nachhaltige "Resilienzgesellschaft" ist ein Ziel, welches wir nur erreichen können, wenn wir Jugendlichen gestatten, sich während ihrer Identitäts- und Bewusstseinsbildung mit dem politischen System verbinden zu können, um sich damit "selbst vertraut" machen zu können.

Um Bildung zu einem nachhaltigen, weil kultur-evolutionären, Lern- und Erkenntnisprozess von Jugendlichen zu machen, sollte neben dem bisherigen, curricular vorbestimmten Schulunterricht, per Gesetz, ein zweiter, also nicht-curricularer Bereich, in freien Trägerschaften - jedoch auch innerhalb von Schulen, institutionalisiert werden.

Durch einen, mit der politischen Ebene verbundenen, emanzipatorischen Sozialisationsprozess würde sich ein nachhaltiger Kulturentwicklungs-Horizont eröffnen, welcher den augenblicklichen gesellschaftlichen Verfallstendenzen (zu Stämmen?) entgegen wirken könnte.

Man könnte die An- und Abwesenheit von Herausforderungen ebenfalls als Kontinuum beschreiben, wobei hier beide Pole – die weitgehende Abwesenheit von Herausforderungen und die chronische Konfrontation mit nicht bewältigbaren Belastungen – der Resilienzentwicklung nicht zuträglich sind.
Es ist eine Frage der Dosierung, wobei die Wirksamkeit der Dosis wie immer durch das betroffene System und den Grad an Unterstützung bestimmt wird, die es bei der Bewältigung der Herausforderungen und Belastungen erhält.
(Martin Hafen; Resilienz aus präventionstheoretischer Perspektive)


GEWISS Dialogforum
Barcamp Citizen Science – Gemeinsam Freies Wissen schaffen
BürGEr schaffen WISSen – Wissen schafft Bürger (GEWISS)

Bericht Nr. 11, März 2016

Session 5:
Das Konzept einer “schulischen Bildung in der Resilienzgesellschaft” (des “Globalen Dorfes”)

Albert Reinhardt (PSI-21) & Björn Huwe (Wissenschaftsladen Potsdam, Universität Potsdam)

Mit dem Teaser des „Just in time learning“, anstatt „Lernen auf Vorrat“ für das „spätere Leben“, beginnt Albert Reinhardt sein Konzept PSI-21 (Politik Schule Internet im Agenda21-Prozess) vozustellen.

Um die Gesellschaft zukunftsfähig zu machen, sollten wir lernen, die Pubertät des Menschen als eine biologisch vorbestimmte Entwicklungsphase zu betrachten und diese kulturell zu respektieren.
Das Konzept legt es Jugendlichen nahe, ihre Bewusstseinsbildung überwiegend durch eigenes Handeln statt Fremdbestimmtheit zu vollziehen. Im Kern des Konzeptes steht ein „demokratischer Initiationsritus“ im Rahmen der schulischen Bildung. Dieser sollte als eine gesetzlich verpflichtende Beteiligungsstruktur eingeführt werden, um Jugendlichen eine ihrer Entwicklungsphase förderlichen politischen Gestaltungsrolle und Mitverantwortung einzuräumen.
Dabei soll konkretes, lösungsorientiertes und kooperatives Denken und Handeln mit der Erfahrung über die eigene Selbstwirksamkeit in Beziehung gesetzt werden. Je nach Alter der Schülerinnen und Schüler stünden ihnen Politikerinnen und Politiker auf den verschiedenen politischen Verantwortungsebenen gegenüber: kommunale Ebene (12–14-jährige), Landesebene (15–16-jährige), Bundes- oder Europaebene (> 16-jährige).

Als Praxisbeispiele könnten im Rahmen der schulischen Bildung konkrete, politische Themen in Arbeitsgruppen erarbeitet werden und der betreffenden politischen Instanz vorgestellt werden. Die Stellungnahmen würden zur weiteren Diskussion im Internet veröffentlicht. Das Ziel bestehe darin, die Auswertungen zu Anträgen auszuarbeiten, um sie den jeweiligen Gremien zur Entscheidung vorzulegen.

Albert Reinhardt vertrat die Meinung, dass eine Lösung von den einseitigen Selbstbildern einer „Risikogesellschaft„ und die Entwicklung einer „Resilienzgesellschaft“ vor allem in den Sozialisationserfahrungen der Jugendlichen liege. Durch eine „AGIL-Machung“ (in Bezug auf das von dem Soziologen Talcott Parsons entwickelte AGIL-Schema, also einer frühzeitigen Wahrnehmung von Problemen und Ausbildung entsprechender Handlungsspielräume, könne sich unsere „Risikogesellschaft“ nach und nach zu einer „Resilienzgesellschaft“ transformieren.

Er forderte, Jugendlichen die Möglichkeit zu eröffnen, sich selbst handelnd in politische Prozesse einzubringen und so das Verantwortungsbewusstsein und die eigene Handlungsfähigkeit zu fördern. Exemplarisch verwies Albert Reinhardt auf eine entsprechende Umstrukturierung der Lehrpläne in Finnland. Er forderte ein Pilotprojekt des PSI-21 Konzepts an deutschen Schulen um das Potential aufzuzeigen und das Konzept weiter auszudifferenzieren.

Die Diskussionen der Session bezogen sich überwiegend auf die aktuelle Umsetzbarkeit an Schulen in Deutschland. Es wurde erörtert, dass besonders Fächer ohne Curriculum prädestiniert scheinen, mit diesem Konzept erste Erfahrungen an Schulen in Deutschland zu machen. Das PSI-21 Konzept wurde von den Teilnehmenden vorwiegend positiv gesehen und besonders für seine Ansätze geschätzt, eigenverantwortliches Handeln in der Gesellschaft und sich selbst gegenüber zu fördern.

  • Die elektronischen Medien bedeuten für McLuhan eine Rückkehr zu kollektiven Wegen, zu stammesorganisatorischen Verhaltensweisen des intensiven Miterlebens. Von nun an leben die Menschen in der Gemeinschaft des „Globalen Dorfes“****.
    Weiterführende Ressourcen: McLuhans Globales Dorf: www.de.wikipedia.org/wiki/Globales_Dorf

Hrsg.
David Ziegler, Claudia Göbel, Lisa Pettibone, Julia Kloppenburg,
Christopher Schwarzkopf und Katrin Vohland


Siehe auch -

pdf-download:

Schulische Bildung in der Resilienzgesellschaft

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