PSI-21

Politik ~ Schule ~ Internet
als ein kultureller Agenda21 ~ Lernprozess

„Der Frage, wie es Schule und Unterricht gelingen kann, Schüler*innen in der Entwicklung ihrer Kompetenzen und politischen Identitäten zu unterstützen, um eine mündige Orientierung und Partizipation zu ermöglichen, darf als bedeutsame Zukunftsfrage betrachtet werden.“

Das politische Mindset von 14‐Jährigen; Civic and Citizenship Education Study 2016 (ICCS 2016)

In Zeiten der Coronakrise werden solche „Zukunftsfragen" schlagartig zu (Überlebens-) Fragen von großer Gegenwartsrelevanz. Wir könnten unsere Gegenwart zu den entscheidenden "days4future" machen, wenn wir jetzt die richtigen Strukturen dafür errichten, um Entwicklungen zur "digitalen Gesellschaft" zu ermöglichen, in der wir uns als Menschen frei und geborgen fühlen können. Wenn es uns gelingen würde, über die Ungewissheit der verschiedenen Komplexitätsebenen hinweg unsere sozialen und technischen Systeme wieder abwärtskompatibel zum „System Mensch“ zu gestalten, würden wir mit Erstaunen feststellen, dass wir mit der Entwicklungsphase der Pubertät längst über eine Ausstattung verfügen, mit der jede Generation aufs Neue ihre Wirklichkeitserfahrung kulturell integrieren könnte.
Wie könnten wir den Teufelskreis unserer Vorurteile gegenüber Jugendlichen, den sogenannten "Adultismus" überwinden? Um darauf eine Antwort zu finden, müsste es uns gelingen, nicht nur die Vorurteile von Anderen zu hinterfragen, sondern zunächst mal unsere eigenen „Gemeinplätze“ und "Nachhink-Effekte":

„Die Menschen verharren, trotz mit Händen zu greifender Veränderungsprozesse in Rolle, sozialer Lage und politischer Macht in ihrer Persönlichkeitsstruktur, in ihrem sozialen Habitus auf einer früheren Stufe‘ – nämlich auf dem Höhepunkt ihrer gefühlten historischen Bedeutsamkeit.“

Norbert Elias

Zur Überwindung von "Mind-Sets"

„Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie“

Kurt Lewin

Zwar sind wir daran gewöhnt, Vorurteile, die sich auf die Stigmatisierung von Minderheiten richteten, kritisch zu betrachten, tun uns jedoch schwer damit, dahinter die Muster unserer eigenen paternalistischen „Mehrheits-Haltungen“ als „nachgeahmtes“ kulturelles Grundschema wiederzuerkennen. Innerhalb hierarchischer (Macht-)Strukturen fühlen wir uns unterschwellig nicht nur legitimiert, sondern scheinbar durch die „äußeren Umstände“ fast schon „dazu gezwungen“, anderen Menschen mit Abwertung (Mobbing oder Ignoranz) zu begegnen, um unser Selbstbild so zurechtzurücken, dass es zu unseren eigenen Statusvorstellungen passt. „Der Psychologe, Gordon Allport, hatte sein Leben lang über zwei simple Fragen nachgedacht:

  1. Wo kommen Vorurteile her? und
  2. Wie vermeidet man sie?
Nach Jahren der Forschung war er auf ein Wundermittel gestoßen - oder zumindest glaubte er das. Was es war? Kontakt. Nicht mehr als das, aber auch nicht weniger. Der amerikanische Professor vermutete, dass Vorurteile, Hass und Rassismus aus einem Mangel an Kontakt entstehen. Wir generalisieren wild drauflos, wenn es um Fremde geht, weil wir sie nicht kennen. Und somit liegt die Lösung auf der Hand: Wir müssen mehr Kontakt aufnehmen.“ (Bregman, Rutger; Im Grunde Gut; Rowohlt, 2020) „In seiner Kontakthypothese arbeitete Allport (1954, zit. nach Pettigrew, 1998) vier situationale Schlüsselbedingungen aus, damit ein Intergruppenkontakt optimal Vorurteile abzubauen vermag:
  1. Gleicher Status: Die Gruppen sollen in der Kontaktsituation den gleichen Status wahrnehmen.
  2. Gemeinsame Ziele: Wichtig ist, dass die Gruppen aktiv am Erreichen eines gemeinsam Zieles arbeiten.
  3. Intergruppen Kooperation: Das gemeinsame Ziel soll durch Kooperation und nicht durch Kompetition erreicht werden.
  4. Unterstützung durch Autoritäten, Recht oder Normen: Explizite soziale Sanktionen erleichtern die Akzeptanz von Intergruppenkontakt und erstellen Normen.“ Allport ging davon aus, dass Vorurteile nur reduziert werden, wenn diese vier Bedingungen eingehalten werden.“
    (Spätere Ergänzungen von Pettigrew und Forsyth waren:
  5. Freundschaftspotenzial,
  6. Erfolg beim erreichen eines gemeinsam gesetzten Zieles, sowie die
  7. Dauer und Intensität des Kontaktes. (Torchetti, Loredana; Die Kontakthypothese; (PDF) Bern, im März 2005)
„Schon Aristoteles war der Ansicht, umfassende Teilnahme an
einem komplexen Spektrum menschlicher Angelegenheiten sei
der einzige Weg, um voll und ganz Mensch zu werden.“

(aus: Verdummt noch mal! S. 56; John Taylor Gatto).

Doch, die nur rhetorisch aufgesetzten „aufklärerischen“ Ziele und Erwartungen, bleiben erfolglos, wenn das „didaktische Setting“ kein geeignetes Prozedere für kulturelles Lernen bietet. Das Beispiel um die Bemühungen einer „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ hat gezeigt, dass sich vorbestimmte oder „erwünschte Haltungen“ nicht einfach als "besseres Wissen" von oben überstülpen lassen. „Aus Fehlern klug werden zu dürfen,“ gilt nicht nur als Privileg und „Königsdisziplin“ in der Wissenschaft, sondern auch als allgemein akzeptierte Alltagsregel. Die ästhetische Bewertung der "Garderobe von Kaisern" bildet allerdings die Ausnahme dieser Regel.

„Es gibt eine Form des Aktivismus, die verdächtig dem Zynismus ähnelt. Dabei geht es um den Typus des «Weltverbesserers», der vor allem mit dem eigenen Image beschäftigt ist. Sollte man dahin tendieren, verwandelt man sich in den Rebellen, der weiß, was für den anderen gut ist, ohne dass er sich etwas aus dem anderen macht. Dann werden schlechte Nachrichten sogar zu guten Nachrichten, denn schlechte Nachrichten («Die Erde heizt sich noch schneller auf!», «Die Ungleichheit ist noch größer als gedacht!») beweisen, dass man immer schon recht hatte.“

(Bregman, Rutger; Im Grunde Gut; Rowohlt, 2020)

Welcher struktureller Vorbedingungen, zum Ausbau einer „schulischen Bildung in der Resilienzgesellschaft“ bedarf es, um sukzessive, unsere verschollenen kollektiven Kulturbildungskompetenzen wiederzubeleben und diese danach zu einem kontinuierlichen und nachhaltig- ritualisierten Prozess verstetigen zu können?

I. PSI-21

Unter dem Konzept von PSI-21 ließen sich solche, nachhaltig-ritualisierten "Kontakte" von Jugendlichen mit „sich Selbst“ und den verschiedenen politischen Verantwortungsebenen so institutionalisieren, dass sich Jugendliche während ihrer Sozialisation mit den für sie relevanten politischen Strukturen „vertraut“ machen könnten. Unter diesen Bedingungen könnte es Jugendlichen gelingen, sich in einem „vertrauensvollen Bindungsprozess“ mit der, so von ihnen mitproduzierten Wirklichkeit „ihrer Demokratie“, in selbst prägender also ihr „Selbst“ prägenden Weise, zu verlinken. Um diese These zu belegen, bedürfte es einer praktischen Erprobung von PSI-21 als Pilotprojekt. Als langfristige Voraussetzung dafür, müsste zunächst ein „medienartiger“ Freiraum bereitgestellt und auf der zivilgesellschaftlichen und politischen Metaebene strukturell vernetzt und verankert werden. Durch dieses geschütztes „Öffentliche Medium" würde es möglich werden, dass sich Jugendliche, ebenso kritisch, wie konstruktiv, – gewissermaßen auf „Augenhöhe“ – mit den politischen Repräsentanten und zugleich mit den komplexen Verhältnissen unserer Gesellschaft, vertraut machen könnten. Für Jugendliche fallen somit Prozesse von individueller Sozialisation und kultureller Transformation in idealtypischer (und bisher noch unbekannter) Weise ineinander. Daraus entsteht eine neue Medienqualität, welche sich nicht mehr nur reflexiv mit Ereignissen befasst, sondern durch eine prospektive Betrachtung versucht, politische Entwicklungen zukunftsgerichtet und resilient zu planen und zu gestalten. Innerhalb dieses dynamischen Prozesses könnten zugleich die kulturellen Wurzeln unserer Gesellschaft gestärkt, die kollektiv gewonnenen Erkenntnisse der Bürger als eigene, „selbstbewusste“ Lebenserfahrung zurückgebunden und in den Köpfen als Intuition „nachhaltig“ hinterlegt werden.

Das PSI-21-Prozedere

Gestaffelt nach Altersstufen der Schüler, stehen ihnen Politiker auf den verschiedenen politischen Verantwortungsebenen gegenüber:
  • den jüngsten (12-14-jährigen) Schülern Politiker auf kommunaler Ebene,
  • den älteren (15-16-jährigen) Schülern Politiker auf Landesebene und
  • den ältesten Schülern Politiker auf Bundesebene, oder perspektivisch
  • sogar auf europäischer Ebene.

Projektablauf

  1. Die Schüler eines Jahrgangs wählen ihr „Haupt-Themengebiet“ aus, welches z. B. einem Ressort der jeweiligen politischen Ebene entsprechen würde.
  2. Das durch Mehrheitsentscheid festgelegte Thema wird den Fraktionen der entsprechenden politischen Ebene mitgeteilt. Jede Fraktion stellt zwischen fünf und zehn Fragen aus diesem „Haupt-Themengebiet“ die Schüler.
  3. In jeder Klasse (bzw. Kurs) formieren sich Arbeitsgruppen entsprechend der Anzahl der vertretenen Fraktionen. Jede Gruppe hat nun die Aufgabe die vorliegenden Fragen der Fraktionen für die jeweils anderen Gruppen im Rahmen einer Präsentation verständlich zu machen. Es sollen Begriffe erläutert werden und Hintergrund-Information zum besseren Verständnis der komplexen Zusammenhänge geliefert werden.
  4. Nun kann jeder Schüler eine „Schülerfrage“ stellen, welche im Internet veröffentlicht wird und von den beteiligten Mitschülern bewertet werden kann. Gesucht werden die „Top Ten“ der Schülerfragen.
  5. Zuletzt hat jeder Schüler die Möglichkeit, sich anonym einzuloggen, sich die Partei auszuwählen, welcher er sein Feedback geben möchte, sowie die „Schüler-Top Ten“ Fragen zu beantworten.
  6. Die Auswertung der Feedbacks an die Fraktionen wird im Internet veröffentlicht.
  7. Die Auswertungen der Feedbacks, auf die Schülerfragen, werden zu Anträgen formuliert und den jeweiligen Gremien zur Entscheidung vorgelegt.

II. Projekt-Entwicklungs-Schulen

Mit ihren ad hoc Maßnahmen hat die Politik diesmal nochmal Glück gehabt. Obwohl die "Vorsorgemaßnahmen" eher dürftig waren, sind die meisten Menschen unseres Landes – bis jetzt – scheinbar glimpflich davon gekommen. Nun sollten wir an den Voraussetzungen für eine robuste und resiliente Infrastruktur, für eine digitale und gemeinwohlorientierte Zukunft, arbeiten. Wie „blinde Flecken“ unseres kollektiven „Kultur-Bewusstseins“ klafften bereits lange Zeit vor der aktuellen Corona-Krise „ungeahnte“, funktionale Defizite zwischen unseren gesellschaftlichen Wahrnehmungs-, Erkenntnis- und Handlungsmustern und den dafür (nicht) bereit stehenden Institutionen. Natürlich hat uns nicht erst der Corona-Schock die Augen für die verdeckten Defizite unserer Systeme geöffnet, aber er hat uns gezeigt, dass unsere eingefahrenen Alltagsroutinen, so wie bisher, nicht mehr gut fortgeführt werden können. Die nun ebenso plötzlich, wie zahlreich akut gewordenen Strukturprobleme, lassen sich zwar kurzfristig mit dem Universalhilfsmittel „Geld“ oder mit PR-Aktionen kaschieren, könnten jedoch den notwendigen Blick auf langfristige Lösungsstrategien verstellen. Wir sollten möglichst rasch damit beginnen, Schulen zu neuen, „systemrelevanten“ Strukturen umzubauen, welche sowohl dem Ziel der Daseinsvorsorge, wie auch der technischen und kulturellen Weiterentwicklung dienen würden. So würden Schulen zukünftig in der Lage sein, gerade unter den Bedingungen der Digitalisierung, eine an unser Wesen als Menschen rückgebundene, gesellschaftliche und technische Entwicklung zu gewährleisten. „Commons- & Sense-Bildung“ wäre der Weg und das Ziel dieser Entwicklungsstrategie. Anstatt sich gegenseitig als Konkurrenten zu betrachten, sollten sich freie und staatliche Schulen, zu neuen kooperativen Institutionen zusammenschließen. Aus diesen Doppel-, bzw. Mehrfachfunktionen zwischen Daseinsvorsorge und schulischer Bildungseinrichtung dieser „Hybrid-Schulen“ entstünde eine neue, dezentrale und vernetzte technische Infrastruktur, welche sich in der kooperativen Trägerschaft staatlicher und zivilgesellschaftlicher Institutionen befinden würde. Trotz der scheinbaren Vielfalt unseres Bildungssystems, können bisher einzelne Schüler, bedingt durch die wechselseitigen Abschottungstendenzen von staatlichen und privaten Schulen, wie auch außerschulischer Institutionen, nicht selbst frei über die Entfaltung ihres Potenzials verfügen. Es fehlt dem einzelnen Schüler eine situative Differenzierungsmöglichkeit, zwischen den verschiedenen „Denksystemen“ auswählen zu können, weil ihm diese bereits im Vorfeld in „wohlmeinend-behütender" Absicht von „höherer Stelle“ abgenommen wurde. Der Impuls, das bestehende Schulsystem vollständig mit etwas neuem auszutauschen, ist angesichts der verheerenden Wirkung dieses Systems, nur zu verständlich. Mehr dazu unter: „Verdummt noch mal!“ von John Taylor Gatto. Da es jedoch zum Kerngeschäft von Schule gehört, die gesellschaftlichen Machtstrukturen abzusichern, ist der systemische Widerstand organisatorisch und kulturell viel zu stark verankert, um sich rasch verändern zu können. Um es etwas flapsig auszudrücken; die Versuche, das bestehende staatliche Schulsystem für die neuen Herausforderungen einer komplexen digitalen Gesellschaft tauglich zu machen, machen ungefähr so viel Sinn, wie wenn wir versuchen würden ein altes Festnetztelefon, zu einem Smartphone umzubauen. 🙂
„Wäre es nicht ‚himmlisch‘, wenn die analytische Intelligenz des Ich mit der ganzheitlichen Erfahrungsbasis des Selbst kooperieren könnte? Immer wieder würden aus der umfassenden Lebenserfahrung des Selbst präzise und beweisbare Erkenntnisse destilliert.“

PSI-Theorie Prof. Julius Kuhl (Download: PSI-Impulse 9)

„Die Handlungssteuerung eines Menschen erfolgt durch die Interaktion von vier zentralen Gehirnsystemen:

  1. Intentions- oder Absichtsgedächtnis (IG): Dieses System steht stellvertretend für Ihre Handlungsplanung.
  2. Extensionsgedächtnis (EG): Hier befindet sich unser Wesenskern, also unser Selbstsystem. Im Extensionsgedächtnis werden Ziele gebildet und Erfahrungen verwertet.
  3. Objekterkennungssystem (OES): Unter diesem Begriff versteht man Ihre Fähigkeit zur Ergebniskontrolle.
  4. Intuitive Verhaltenssteuerung (IVS): Anhand dieses Systems werden Handlungen ausgeführt, also Ziele und Absichten umgesetzt.
Blockaden zwischen den Systemen oder die Konzentration auf „Lieblingssysteme” können die Motivation, das Sinnerleben und die Entscheidungskraft mindern. Die PSI-Kompetenzanalyse beschreibt dabei nicht nur sichtbare Verhaltensweisen, sondern auch Überzeugungen, Werthaltungen oder Glaubenssätze.“

https://silkeweinig.com/psi-theorie/

Wäre es nicht naheliegend, sich bei der „Schulbildung“ nicht ausschließlich auf das eine oder andere "Lieblingssystem" zu beschränken, sondern allen Systemen die in unserem Gehirn bereits angelegt sind, den notwendigen Raum für ihre bestmögliche Entwicklung, mit wechselseitigem Respekt, einzuräumen. Durch ihre standardisierte Vernetzungs- und Entwicklungsfähigkeit wären diese „HybridSchulen“ als „Vor-Sprunginnovation-Zentren“ optimal dazu geeignet, die jeweils vor Ort vorhandenen Potenziale, entsprechend ihrer Gemeinwohl-Verantwortung, lösungsorientiert zu entfalten.

Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“

(Albert Einstein)

Dadurch, dass wir in der Vergangenheit für die Sozialisation jeder neuen Generation die gesellschaftlichen Kontextbedingungen so gesetzt haben, dass diese ihre Adaptabilität nicht frei und auf das politische System bezogen entwickeln konnten, scheint es als säßen wir nun in einer Kulturfalle fest, die von mangelhafter Flexibilität und geringer Anpassungsfähigkeit gekennzeichnet ist. Damit laufen wir Gefahr, dass wir den notwendigen gesellschaftlichen Umbau unserer sozialen, technischen und politischen Systeme, bezogen auf unsere „anthropologischen Konstanten“, nicht auf "artgerechte" Weise hinbekommen. „Im Grunde Gut“ (Rutger Bregman) wären wir letztlich als „System Mensch“ innerhalb dieser disfunktional institutionalisierten Systemstrukturen überfordert und permanentem Stress ausgesetzt. Für Jugendliche wäre es wichtig, während ihrer Sozialisationsphase die Erfahrung mit der Umgestaltung komplexer Systeme gemacht zu haben, um sich so durch ihre persönliche Resilienz- Bildungs-Erfahrung zukünftig als einen „systemrelevanten“ und stabilen Teil-Faktor für die Stabilität unserer Gesellschaft empfinden zu können. Aus den kulturellen „Nicht-Erfahrungen“, (nicht gelernt zu haben) proaktiv mit größeren Ungewissheiten umgegangen zu sein, werden wir uns „im Ernstfall“ einer Krisensituation mehrheitlich wahrscheinlich eher ängstlich an die alten Muster klammern, um nach Halt und Sicherheit zu suchen. Ohne die Voraussetzungen von „Lebenserfahrungen“ mit unserem politischen System während der Pubertät wird das „rationale“ ICH in seiner Lern- und Anpassungsfähigkeit vom zu schwach vorgeprägten „intuitiven“ SELBST mit großer Wahrscheinlichkeit im Stich gelassen.

Dazu auch: Vera F. Birkenbihl #3" (M in: 1 3:00‘ )
"Werdet endlich ERWACHSEN - Stoppe das sinnlose Leben“

Werdet endlich ERWACHSEN - Stoppe das sinnlose Leben | Vera F. Birkenbihl #3

Wenn es richtig ist, dass Dinge sich nur ändern können, wenn Menschen die Möglichkeit haben, neue Routinen aufzubauen, fehlt uns bisher die Institutionalisierung einer Methode, die es uns als Gesellschaft auf „effektivere“ Weise ermöglichte, in vorausschauender Weise Probleme zu erkennen und mithilfe neuer Lösungen und deren raschen Implementierung, unsere alten Routinen rechtzeitig zu verlassen und nicht erst dann, wenn krisenhafte Entwicklungen uns, im nachsorgenden "Reparaturmodus“, dazu zwingen.

„Alle Menschen sind klug, die einen vorher, die andern hinterher.“

(chinesisches Sprichwort)
"Utopie-Studio | Was heißt hier Bildung? 2. Selbstorganisation und Erleben!"
Auf YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=pCx-ZeGjA1M

Mut zur Lücke

Philosophieprofessor Georg Bertram meint, in der Coronakrise brauchen wir mehr Mut zur Improvisation.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/handeln-in-der-coronakrise-improvisationstalente-gesucht.2147.de.html?dram:article_id=494819# Wer improvisieren könne, sei klar im Vorteil, meint der Philosoph Georg Bertram. Das zeige sich jetzt auch in der Coronakrise. Vorbereitung brauche es trotzdem, denn Improvisation komme nicht aus dem Nichts. Angesicht der Coronakrise mag sich manch einer mehr Flexibilität wünschen – beispielsweise bei der Vergabe von Impfterminen. Brauchen wir also vielleicht mehr Mut zur Improvisation anstelle von starren Regeln? Ja, meint Georg Bertram, Professor für Philosophie an der FU Berlin. Er sieht unsere Gesellschaft angesichts der Pandemie in einer „Situation der gesellschaftlichen Improvisation“. Denn den genauen Verlauf einer Pandemie könne man nicht antizipieren.