Mit dem Satz; "Ich bin zwei Think-Tanks" *) möchte ich darauf verweisen, dass unser Gehirn aus zwei Hälften besteht, die funktional jeweils auf unterschiedliche Weise – linear und vernetzt – »verdrahtet« sind.

Wenn beide Verrechnungsarten kohärent sind, vermittelt uns das ein großes Maß an »Gewissheit« über die Situation, in der wir uns befinden.

Bei der Suche nach geeigneten Transformationsstrategien finden diese verschiedenen Denk-Kategorien zur »Realitätsbildung« bisher oft nur wenig Beachtung.  Durch das hohe Maß der Rückgebundenheit an eine bereits geschaffene »Realität«, empfinden wir die »sozialen Umweltbedingungen«, auf die wir während der 2. Sozialisation (Pubertät) treffen und der eigenen Handlungserfahrung im »Umgang« mit diesen, anschließend als ebenso »natürlich gegeben«, wie eine »zweite Natur«.

Der Wirkungsmechanismus unserer Bewusstseinsbildung ist wissenschaftlich noch nicht erfasst und kann hier daher nur als spekulativ-vereinfachtes Narrativ angedeutet werden:

  • Die Relevanz von Ereignissen wächst, wenn wir unsere Erfahrungen als bereits gelernten Kontext mit aktuellen Erwartungen und Ereignissen in Beziehung setzen können:
  1. (linear-handlungsorientiert, – in Ursachen-Wirkungsketten) wenn sich Ereignisse planen, oder immer wieder in gleicher Reihenfolge und Weise wiederholen (lassen).
  2. (vernetzt, – "Wenn wir den ganzen Wald, anstatt alle Bäume einzeln, sehen")
    Ereignisse, welche zeitgleich in großer Häufigkeit auftreten.

Am Beispiel der ("unbekannten") Algorithmen bei der Bewertung von Beiträgen auf »Sozialen Medien« ließe sich diese Art der »Realitätsbildung« einfach verdeutlichen; – (viele Klicks + viele Follower = hohe Relevanz!)

Unter den krisenhaften Bedingungen einer »Zeitenwende«, bestehend aus Krieg, Klimakatastrophen, Digitalisierung und den Herausforderung einer Energiewende ist zu befürchten, dass sich der »Stresspegel« des sozialen Klimas noch schneller erhitzen wird als das physikalische Klima unseres Planeten.

Leider führen die zahlreichen kleinen »Systemfehler«, die unter den derzeitigen »Stresstests« plötzlich zutage getreten sind, nicht zwangsläufig zu den richtigen Erkenntnissen darüber, welche Mittel am besten zur Verbesserung von gesellschaftliche Verhältnissen geeignet wären.

Mit dem Blick auf die Erfahrungen aus der Vergangenheit dürften die Erwartungen vieler Menschen bezüglich der Transformationsfähigkeit unserer Demokratie eher von gedämpft bis düster ausfallen.

Auch die Wissenschaften können da oft nicht weiterhelfen, weil Aussagen über die Veränderungsfähigkeit von Zukünften naturgemäß nicht »Empirie fähig« sind.

Das macht die komplexen Wechselwirkungen unserer gesellschaftlichen Strukturen so undurchschaubar, dass auch ein »richtiges Lösungskonzept« zur Transformation, als solches, kaum wahrnehmbar wäre, weil es unter den herrschenden Kulturmustern – der bestehenden Framings – nicht oder nur sehr schwer als plausibel erkennbar wäre.

Durch Aufklärung über Propaganda/PR würde diese sicherlich einen Teil ihrer Wirkmächtigkeit verlieren. Wie Zauberkünstler bewahren die »Spin-Doktors« ihre Tricks zur Manipulation unserer gesellschaftlichen Haltungen als ihr »Geheimnis« (Herrschaftswissen).

Dennoch, als Motor für gesellschaftliche Transformationsprozesse ist Propaganda/PR eher ungeeignet, da sich die »Gegenpropaganda« stets auf die bekannten und gefestigten Frame-Settings beziehen lässt.
Daher waren »die Massen« noch stets geneigt, sich weiterhin in ihren Denkmustern auf die ihnen schon bekannten Bahnen lenken zu lassen.

Wir scheinen wie gefangen in einer Art »paradoxen Dilemma«, – denn in »ruhigen und gesättigten Zeiten« fehlt uns der »dringende Grund« als Motivation zu Veränderungen der Verhältnisse; währen wir auf »beunruhigende Ereignisse und Zeiten« aus Ängstlichkeit dazu neigen, vor unbekannten Lösungen zurückzuschrecken und weiter in den schon bekannten Mustern zu verharren.

Innerhalb der »Spalte- und Walte-Strukturen« unserer »kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft« wird positive soziale Aufmerksamkeit so stark künstlich verknappt, dass diese kulturelle Mangelerscheinung
i. d. R. versucht wird durch Geld und Warenkonsum zu kompensieren.

In »unserer Leistungsgesellschaft« sind es diese latent bestehenden psychologischen »Kompensations-Werte«, welche für unseren Wirtschaftsmotor die Funktion des Treibstoffs übernehmen.

Insbesondere während der Pubertät werden diese »Kulturmuster« nicht nur gelernt, sondern fürs spätere Leben geprägt!

Ob wir ängstlich oder mutig mit ungewissen Situationen umgehen, wird daher weniger in der konkreten Situation selbst entschieden, sondern bereits in der Pubertät als »Kultur-epigenetischer-Prozess«, sozusagen als »Standard« voreingestellt und durch die gemachten Erfahrungen gesetzt.

Siehe dazu: Kulturelle Faktoren der Vererbung
https://www.deutschlandfunk.de/kulturelle-faktoren-der-vererbung-100.html

»Kulturbildungsprozesse«, die auf beschämenden, ausgrenzenden »Enkulturation-Prozessen« basieren, sind die Ursache dafür, dass sich junge Menschen in ihrer Achtung und »Würde« verletzt fühlen.
Dieser »Kränkungs-Erfahrung« versuchen viele ausgegrenzten Jugendlichen zu entkommen, indem sie von der »Opferrolle« in die »Täterrolle« wechseln.
Um das eigene »Aufmerksamkeitsdefizit« auf möglichst »billige« Weise auszugleichen, scheint es vielen Menschen zu genügen, andere abzuwerten und sie zu beleidigen, um sie so unter »Stress zu setzen«.

„Jugenddiskriminierung“ gibt es nicht nur in Form diskriminierenden Handelns, sondern auch in Form diskriminierenden Denkens (diesem
Denken zufolge mögen z. B. alle Teenager Rockmusik, sind unreif und widerspenstig und benutzen Slang) und Sprechens. Der entscheidende Unterschied zwischen der „Jugenddiskriminierung“ und der „Altendiskriminierung“ liegt darin, dass die Phase des „Zu-jung-Seins“ bei den meisten mit einer Akzeptierung als „Menschen im richtigen Alter“ endet, während die Diskriminierung alter Menschen nicht durch bloßes Älter-Werden aufhören kann."
https://de.wikipedia.org/wiki/Altersdiskriminierung

Die »Angewohnheit«, sich durch die Herabwürdigung anderer vom eigenen »Stress« zu entlasten, birgt in sich das Risiko einer Eskalationsspirale, welche auf den zunehmenden Verfall des gesellschaftlichen Zusammenhangs hinaus laufen würde.

Die daraus entstehenden Entfremdungsprozesse scheinen u. a. zunehmend zur »Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole« zu führen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Verunglimpfung_des_Staates_und_seiner_Symbole

"Wie der Anthropologe Joseph Henrich aufgewiesen hat, verschwindet die
Autorität, die alte Menschen in einer Gesellschaft haben, in demselben Maße, in dem der Normenwandel sich beschleunigt. Traditionen, deren Sinn niemand versteht, bewähren sich nur in stabilen Gesellschaften; in einer Welt, die sich schnell verändert, stehen Traditionen den Menschen dagegen im Wege.
Die Fähigkeit eines Individuums, sich Normen anzueignen, ist am größten in
der Jugend und schwindet danach. Wer heute 70 Jahre alt sei, so beschreibt
Henrich es, vertrete Normen „aus einer anderen Welt“.[27]"
https://de.wikipedia.org/wiki/Altersdiskriminierung

In Zeiten multipler Krisen, die richtigen Chancen zu ergreifen, ist leider viel schwieriger als oft angenommen, da es des Mutes bedarf‚ 'das rechte Maß, die gute Gelegenheit‘ zum günstigen Zeitpunkt zu nutzen.
(https://de.wikipedia.org/wiki/Kairos)

Erst durch die Entwicklungen und Erfahrungen, in und aus der Praxis heraus, wird sich durch den ggf. erlebbaren Erfolg bei allen Beteiligten das »Gefühl von Empowerment« und »Flow« einstellen!

Um neue Pfade und Auswege aus unseren zahlreichen festgefahrenen Strukturen und Verhaltensmustern finden und beschreiten zu können, sollten wir versuchen unsere »sozial-kulturellen Umgangsformen« so zu strukturieren, dass sich das »kooperative« Zusammenspiel zwischen unseren Gehirnhälften-Kompetenzen (https://www.psi-theorie.com/ J. Kuhl) selbstwirksam entfalten und verbessern kann. (»Ich bin zwei Think-Tanks«)

Dies wären die »nachhaltigsten« (Vor-)Bedingungen, um unsere Überlebens-Chancen zu verbessern und nicht durch die bestehenden, einseitig-linear gesetzten Bildungs-Strukturen, auf eine, scheinbar von uns »selbstverschuldete Unmündigkeit«, zurückgeworfen zu werden.

Meine Vorschläge zielen auf die Verbesserung kultureller Resilienz.
Um dieser Herausforderungen gerechter werden zu können, wäre es m. E. nach erforderlich, Jugendlichen zu ermöglichen, sich während der Kultur prägenden Phase der Pubertät, selbst bei der Bewältigung von politischen und praktischen Herausforderungen als handelnde »Bürger« einbringen und erleben zu dürfen.

Nur eine umfassende Beteiligungskultur, erfahren und geprägt in der Jugend, schafft die nötige positive Aufmerksamkeit, um die benötigten Strukturen so zu transformieren, dass sich daraus zugleich stabile kulturelle Grundlagen bilden könnten.

Ihnen dies nicht zu ermöglichen ist die »Ur-Diskriminierung«, welche alle anderen »beschämenden« negativen und destruktiven Folgen nach sich zieht und die Gesellschaft daran hindert, die notwendigen »Transformationsprozesse« in einer Kultur bildenden Weise zu erlernen.

Ob meine Vorschläge zukunftsfähig wären oder nicht, werden die Verantwortlichen erst herausfinden, wenn sie das »Risiko« eingehen, resiliente Strukturen zu etablieren, bevor der »Schadensfall« eintritt.

Bisher scheinen weder »Fridays for Future«, noch die aktuelle »Zeitenwende« als »Zeichen« deutlich genug gewesen zu sein, um die Einsicht in das Notwendige zu befördert.

Welche »Kontexte« wir als Infrastruktur bereitstellen sollten, um einen »Systemwechsel« zu ermöglichen, finden Sie hier:
https://days4future.eu/

Alle mutigen, zupackenden Praktiker aus der Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Politik sollten nun bitte aktiv werden, um die vertane Zeit wieder einzuholen!

Ich selbst würde mich in nächster Zukunft lieber »überschaubaren« Herausforderungen stellen.


Anmerkung zu oben:
*) Der Satz, "Ich bin zwei Think-Tanks" knüpft an den uralten Werbeslogan:
"Ich bin 2 Öltanks" an.

Hans Scheibner: So entstand der Haase-Slogan "Ich bin 2 Öltanks"
https://www.youtube.com/watch?v=tyPLVjTBJ_M
https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Scheibner

Anhang:


Home / charta digitale bildung

https://charta-digitale-bildung.de

 

Diese Charta mit ihren drei Grundsätzen ist Ausdruck des gemeinsamen Verständnisses der Unterzeichnerinnen und Unterzeichner von Bildung in einer durch Digitalisierung geprägten Welt („digitale Bildung“), die zum Ziel hat, Urteilsfähigkeit, Kreativität, Selbstbestimmtheit, Gestaltungsfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Chancen der Teilhabe am Gesellschafts- und Arbeitsleben der Schülerinnen und Schüler zu stärken:

1

Im Kontext von Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung haben die traditionellen Kulturtechniken wie Lesen, Schreiben und Rechnen wesentliche Veränderungen erfahren. Darüber hinaus sind digitale Kompetenzen mittlerweile selbst zu einem festen Bestandteil der Allgemeinbildung geworden und grundlegende Voraussetzung für Mündigkeit in der digitalen Welt, gesellschaftliche Teilhabe und berufliche Entwicklung jeder und jedes Einzelnen.

2

Für die Entwicklung digitaler Kompetenzen müssen alle Schülerinnen und Schüler bereits in der allgemeinbildenden Schule die Phänomene, Gegenstände und Prozesse der durch Digitalisierung geprägten Welt aus (1) technischer, (2) gesellschaftlich-kultureller und (3) anwendungsbezogener Perspektive systematisch reflektieren, ergründen und gestalten können. Dies ist nur auf der Grundlage von Konzepten der Bezugswissenschaften der Digitalisierung möglich.

3

Mündigkeit in der durch Digitalisierung geprägten demokratischen Gesellschaft ist ohne ein Verständnis der Grundlagen und ohne die Befähigung zu ihrer aktiven Mitgestaltung nicht erreichbar. Dazu ist sowohl die fachlich fundierte Vermittlung informatischer Bildung als auch der Erwerb einer wissenschaftlich geprägten Medienkompetenz unerlässlich.

Charta für digitale Bildungsinnovationen veröffentlicht

https://bildungsklick.de/hochschule-und-forschung/detail/charta-fuer-digitale-bildungsinnovationen-veroeffentlicht

 


Ein Booster für die Transformation des Schulsystems

30. März 2022 Ekkehard Thümler 


Kassensturz: 45,6 Milliarden Euro fehlen, um die Schulen in Deutschland in Schuss zu bringen (und das Loch wird absehbar größer)

 


Veranstaltungen:

Scientists for Future - FG Schule
https://www.youtube.com/channel/UCa9_0ORnSquUZHK29O1kDXw/videos?view=2&live_view=502

KISS 2.0 - Mainstage - Freitag

 


educon Bildungscafé –
Schule agil transformieren 

Am 27. September 2022 um 15:30 Uhr mit Prof. Anne Sliwka

https://eveeno.com/133643582

Zur Einstimmung geht es hier zu Prof. Anne Sliwkas Beitrag vom educon Bildungsgipfel 2021.

 


WELCHE KOMPETENZEN BRAUCHEN WIR FÜR DIE TRANSFORMATION?
28.09.2022 - BERLIN

Diskussionsveranstaltung des Landeskuratoriums Berlin/Brandenburg
https://www.stifterverband.org/veranstaltungen/2022_09_28_landeskuratorium_berlin_brandenburg


19.09.2022

SWK sieht weiteren Handlungsbedarf bei Digitalisierung des Bildungssystems

Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) gibt in ihrem Gutachten
Digitalisierung im Bildungssystem Handlungsempfehlungen von der Kita bis zur Hochschule.
https://www.kmk.org/aktuelles/artikelansicht/swk-sieht-weiteren-handlungsbedarf-bei-digitalisierung-des-bildungssystems.html


ZoomingpentaKoch


Videos:


Demokratie erneuern! - Rainer Mausfeld - DAI Heidelberg 2020

11.03.2020

  • Demokratie heißt: Interessenunterschiede in einem öffentlichen Debattenraum friedlich austragen, um zu einem gemeinsamen gesellschaftlichen Handeln zu finden.

    Doch: Wie können wir unsere eigenen kognitiven und gefühlsmäßigen Beschränktheiten und Vorurteile erkennen? Warum reagieren wir so aggressiv, wenn unsere selbstverständlichsten Vorurteile in Frage gestellt werden? Wir sind so beschaffen, dass wir dazu neigen, unsere Gewohnheiten für Überzeugungen zu halten. Unser Geist produziert gleichsam instinktiv „Meinungen“. Ideologien sind gewissermaßen die kollektiven Vorurteile, die den Status quo als selbstverständlich erscheinen lassen.

    Wie lassen sich nun die eigenen Interessen objektivieren? Wie gewinnen wir eine gemeinsame Kommunikationsbasis für ein demokratisches Gespräch, das sich an Argumenten orientiert?

    Prof. Rainer Mausfeld (u.a. 2019 am DAI mit „Warum schweigen die Lämmer?“) spricht über Demokratie, Ideologien und Wege des Denkens.


Bildungsforschungstagung

https://www.bildungsforschungstagung.de
Die Keynote der BiFo 2021 von Prof. Dr. Nida-Rümelin (LMU München)
„Eine Philosophie humaner Bildung“

 


Klimakrise als demokratische Herausforderung


 

Welche Macht haben Gedanken? | 42 - Die Antwort auf fast alles | ARTE


"Ist der Mensch wirklich rational, Samira El Ouassil? | Sternstunde Philosophie | SRF Kultur"


Ulrike Herrmann(TAZ): Ist ein "grüner Kapitalismus" möglich? (21.08.2022)

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Koch-Kurve#/media/Datei:ZoomingpentaKoch.gif
Ich bin zwei Think-Tanks

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